Aus Fehler lernen und mit viel Geduld doch zum Erfolg


Mit diesen Worten könnte man den Weg zur meiner ersten Nachzucht vom Baryancistrus spez. L177 beschreiben.
Zuchtbericht von
Johannes Leuenberger
Autor Johannes Leuenberger
Alle Bilder © Johannes Leuenberger

Baryancistrusarten, im deutschsprachigen Raum als Prachtharnischwelse bekannt, tragen ihren Namen zu Recht und erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Doch werden sie in vielen Diskussionsforen als heikel in der Eingewöhnungsphase und als schwierig in der Haltung oder sogar als aussergewöhnliche Futterspezialisten bezeichnet.
Diesen Aussagen kann ich nicht in allen Punkten zustimmen. Dass es Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung und somit am Anfang zu Verlusten kommen kann, ist dadurch zu begründen, dass die Tiere oft in sehr schlechter Kondition und bei falscher Wassertemperatur beim Händler angeboten werden.
Kann man ihrer Grösse entsprechendes Aquarium einrichten und ihnen die richtigen Hälterungsbedingungen und Futteransprüche erfüllen, sind diese Harnischwelse meiner Ansicht nach keine so heiklen aber sicher sehr interessante Pfleglinge.
Sicher ist, dass man sie nicht zu den „Anfängerwelsen“ zählen darf.
Da diese Tiere aber in der Regel als Jungtiere mit 5-8 cm Körperlänge im Handel angeboten werden, sollte man sich zuerst einmal ausreichend über ihre zu erwartende Endgrösse und Pflegebedürfnisse orientieren.
Nach meinen bisher gemachten Erfahrungen gilt es vor allem auf folgende Punkte bei der Pflege dieser Prachtharnischwelse zu achten:
- Ausreichende Aquariengrösse ab ca. 500 L
- Gute Wasserqualität relativ weich, im sauren Bereich liegender pH-Wert, sowie wöchentlicher Wasserwechsel von mindestens 50%
- Richtige Wassertemperatur: Bereich zwischen 28-32°C
- Gute Filterung mit ausreichender Strömung (Turbelle z.B mit Diffusor oder sehr guter Wasseroberflächenbewegung damit einen ausreichenden Sauerstoffgehalt vom Wasser gewährleistet ist).
- Richtige Fütterung, d.h. kleinere Portionen, dafür mehrmals am Tage (es sind richtige Fresser) was für einen Aufwuchsfresser wichtig ist, sollte man doch berücksichtigen, dass er einen kleinen Magen und langer Darmtrakt hat.
- Futterzusammenstellung : verschiedene Futtertabletten oder Granulat für Aufwuchsfresser, verschiedenes Gemüse wie Broccoli, Zucchini, Kartoffel usw.
- Tierisches Futter darf aber auch bei diesen „Vegetarier“ nicht fehlen, wobei sich bei mir unter anderem gefrostetes Tümpelfutter sehr bewährt hat.
Auch gefrostete schwarze Mückenlarven und Artemia werden gerne genommen.
Im Nachhinein war mir klar, dass ich diese Grundbedingungen am Anfang, als ich mich mit Baryancistrusarten beschäftigte, viel zu wenig beachtete so dass ein Nachzuchterfolg bei meinen Tieren kaum möglich war.
Im Winter 1996/97 erwarb ich neben 4 Baryancistrus spez. L018 auch 5 junge L177 von ca. 7-8 cm Körperlänge.
Diese 9 Jungtiere kamen in ein Aquarium ohne irgendwelche Beifische.
Beckengrösse : LxBxH 130x60x50 cm (390L)
Beckeneinrichtung: Steinaufbauten mit Steinplatten dazu einige grosse Wurzeln und mehrere Bambusröhren, keinen Bodengrund.
Filter : Grosser Schaumstoffwürfel mit aufgesetzter Turbelle (1000L/h)
Wasser : Leitungswasser (28 dGH, 850 mS, pH 7,2)
Wassertemperatur : 28°C
Wasserwechsel : alle 1-2 Wochen ca. 50%
Futter: Jegliche Art von Welsfutter für Aufwuchsfresser dazu sparsam Frostfutter.
Im August 2001, also gut 4 Jahre später hatten die Tiere eine Grösse zwischen
17-20 cm erreicht. In der Zwischenzeit hatte ich 2 der L018 weitergegeben.
Nach einer unbeabsichtigten Kühlperiode vom Aquariumwasser (25°C), der Heizstab war für ca. 3 Wochen ausgefallen, und nach mehrmaligem anschliessendem Wasserwechsel mit weichem Wasser vom 100 mS sowie einer Temperaturerhöhung auf 31-32°C, laichten die Tiere überraschend für mich das erste Mal ab.
Eigrösse : ca 4,5-5mm
Eifarbe : leuchtend gelb
Anzahl Eier : ca. 90-95
(kompakter Eiballen wie bei andern Ancistrinen)
Von diesen frisch geschlüpften Jungtieren konnte ich leider durch eigenes Verschulden ( zu tiefe Temperatur von 27°C im Aufzuchtbecken, sowie zu wenigem Wasserwechsel am Anfang was eine zu hohe Bakterienbelastung und Nitratanstieg führte) nur 3 Jungtiere aufziehen.
Im Januar 2002 startete ich einen zweiten Zuchtversuch mit einer Kühlphase von 2 Monaten, sparsamen aber regelmässigem Teilwasserwechsel, sparsamen aber ausreichender Fütterung und anschliessendem 2xwöchentlichem Wasserwechsel mit weichem Wasser sowie wiederum einer Temperaturerhöhung auf 32°-33°C.
Bei dem nun nach ein paar Tagen deutlich zu beobachtenden Balzverhalten (welches übrigens sehr wild und zum Teil recht ruppig abläuft) beim gleichen Paar wie das erste Mal, wurde während einer Nacht das Weibchen durch einen zusammenstürzenden Steinplattenaufbau bei der vom Weibchen ausgesuchten Bambusröhre getötet.
Der Sektionsbefund am nächsten Tag ergab, dass das Weibchen prall gefüllt mit Laichkörner war.
Durch dieses Missgeschick verlor ich nun das Weibchen nach 2maligem Ablaichen bezw. Paarungsspiel und musste auf die Suche nach einem gleich grossen Ersatzweibchen, was bekannterweise bei der gewünschten Grösse (geschlechtsreifes Tier) nicht einfach und im Handel kaum zu finden war.
Ingo Seidel war dann der Retter in der Not, und konnte mir ein Ersatzweibchen in der richtigen Grösse beschaffen.
(an dieser Stelle möchte ich mich bei Ingo für seine Hilfe nochmals bedanken. ich konnte Ihm noch die restlichen L018 abgeben, damit ich mehr Platz zur Verfügung hatte für die L177)

Weibchen

Männchen
Ich richtete ein neues Aquarium nun wie folgt ein:
Beckengrösse: (LxBxH) 160 x 60 x 50 cm
Einrichtung : Hamburgermattenfilter (Eckform) mit starker Turbelle und Diffusor.
Sandboden mit mehreren grossen Wurzeln und ein paar Bambusröhren in der notwendigen Grösse.

Für die Strukturierung vom Becken verwendete ich diesmal bewusst keine Steinplatten mehr (was den natürlichen Biotopen sicher nicht entsprach) um einer Gefahr eines erneuten Missgeschicks vorzubeugen und richtete das Becken nur noch mit einigen grossen Wurzeln ein, welche ich so ins Becken einbrachte und ineinander verkeilte, dass bei einer erhofften Paarung die Welse nicht wieder in Gefahr kommen.
Anfangs März 2006 : Umstrukturierung der Beckeneinrichtung:
Bambusröhren die aus meiner Sicht etwas zu klein geworden sind raus, an dieser Stelle neu 4 Laichhöhlen aus Ton (2x mit seitlichem Eingang; 2x mit Fronteingang) welche mir liebenswerterweise Josett Müller (BSSW Mitglied) nach meinen Grössenangaben angefertigt hatte.
Erhöhung der Wassertemperarur von 28°C auf 33°C.
Wöchentlicher Wasserwechsel von ca. 50% (120 mS)
Ich konnte durch das weiche Wasser und den vielen Wurzeln im Becken einen stabilen pH-Wert von 5,5-5,8 nachweisen.
17.03.2006 Heftiges Treiben. Rangelei um eine Laichröhre mit Fronteingang.
21.03.2006 Eiablage in der Nacht zum 22.03.2006
Wassermessung: Temp.: 33°C ; GH: 120 mS ; pH: 5,5
26.03.2006 Schlupf
Während des Tages wurden 3 kleinere Eipackete aus der Röhre gewedelt.
Ca. 80 Eier, davon ein Teil schon geschlüpft. Ich überführte die geschlüpften Larven in ein Einhängebecken und durch vorsichtiges Massieren zwischen den Fingern gab ich den übrigen Laichkörner etwas Schlupfhilfe.
01.04.2006 Erste Nahrungsaufnahme der Jungtiere. Dottersack nur noch im Ansatz sichtbar. Körper der Jungtiere leichte Graufärbung.



Die Jungtiere wurden am Tag zuvor in zwei gleich ausgestattete (der Länge aufgespaltete Bambusröhre mit ca.4 cm Innendurchmesser) Einhängekasten aufgeteilt.
1. Kasten = Futter : ½ grüne Futtertablette (vegetarische Tablette)
2. Kasten = Futter : ¼ rote Tablette(Zusatz von Artemia)
+ ½ grüne Tablette
Ich ging von der Überlegung aus, dass in der freien Natur die Nahrung der Jungtiere bei der Aufnahme von Aufwuchsnahrung auch einen Teil tierischen Ursprungs aufnehmen.
.
Nach einem Tag im 2. Kasten 4 tote Jungtiere (aufgeblähter Bauch). Sofortige Futterumstellung : auf nur grüne Futtertabletten. Dadurch
konnte ich die Ausfälle stoppen und ich verzeichnete in den nächsten
Tage keine Ausfälle mehr.
1. Kasten : keine Ausfälle, sehr gute sichtbare Nahrungsaufnahme.
06.04.2006 Erste Zeichnung (schwache helle Punktzeichnung auf hellgrauer Körpergrundfarbe bei den Jungen sichtbar).
Körpergrösse : 12 mm
Es wurde nun in beiden Einhängekasten jeden Tag 2 x gefüttert und die Futterresten 1x täglich abgesaugt
Becken mit Einhängekasten

In den nächsten Wochen hatte ich keine weiteren Ausfälle.
Was aber schon relativ früh sichtbar wurde, war ein unterschiedliches Grössenwachstum der Jungtiere.
2 Monate nach dem Schlupf überführte ich die nun ca. 2,0-3,5 cm grossen Jungwelse in zwei Becken mit den Massen (LxBxH) 50x50x30 cm.
Die Zeichnung der Jungtiere war jetzt gut zu erkennen. Eine grauschwarze Grundfarbe mit weissen Tupfen, die Rücken-und Schwanzflossen hatten eine breite weisse Abschlussbinde.
4 Wochen alt
4 Wochen alt
5 Wochen alt
7 Wochen alt
Einrichtung der Becken: Bodengrund aus Sand und ein paar grössere Wurzel als Versteckmöglichkeit. Die beiden Becken wurden nur schwach beleuchtet. Gefiltert wurde wiederum mit einem Hamburgermattenfilter betrieben mit einem "tschechischen" Luftheber der für eine leichte Strömung im Becken sorgte. Wasserparameter identisch dem Elternbecken.
Die Fütterung erfolgte 2x täglich weiter mit Welstablette bezw. Granulat.
Zusätzlich bekamen sie nun jeden 2.Tag kleine Portionen von Tümpelfutter zum grössten Teil bestehend aus Zyklops und kleinen Daphnien. An Stelle von Tümpelfutter eignet sich auch feines Cichlidengranulat.
Wasserwechsel erfolgte 1 x pro Woche ca. 50% wobei der Bodengrund mit einer Mulmglocke gereinigt wurde.
Die Temperatur stellte ich auf 32 °C ein. Beim Versuch, die Temperatur auf 28°C zu senken, wurden die sonst sehr lebhaften Jungwelse viel ruhiger und nahmen wesentlich weniger Futter zu sich, so dass ich die Temperatur wieder auf 32°C erhöhte.

5 Monate alt
Die Jungen L177 entwickelten sich sehr gut. Auf Grund des unterschiedlichen Wachstums konnte man beobachten, dass die Umfärbung der Punkte und Flossenränder von weiss nach gelb nicht Alterabhängig ist sondern mit der Grössenentwicklung zusammenhängt.
Der Farbwechsel erfolgte etwa bei einer Körpergrösse von 4-4,5 cm. So hatte es dann in beiden Becken einige kleinere Tiere mit weissen und grösseren Tieren mit schon gelber Zeichnung.


In der Aufzuchtphase gab es immer etwa, ein in der Entwicklung zurückgebliebenes Jungtiere, welches nicht überlebte.
Von den 82 geschlüpften Larven konnte ich 66 Jungtiere aufziehen, was doch zeigt, dass die Aufzucht von L177 nicht als schwierig einzustufen ist.
welse.ch richtet ein ganz besonderen Dank an Johannes Leuenberger für die Möglichkeit diesen tollen Bericht auf welse.ch sicherzustellen.